zwei Zelte mit Bikepacking-Rädern auf einem Campingplatz

Schlafen

Schlafen. Zelt? Biwak? Bushaltestelle? Baum? Durchfahren? Es gibt viele Möglichkeiten, durch die Nacht zu kommen. Gehen wir mal davon aus, Du möchtest nachts schlafen. Das ist erstmal vernünftig, dient der Regeneration und lässt Deinem Kopf Raum, die – hoffentlich großartigen – Eindrücke des vergangenen Tages zu verarbeiten.

Schlafen im Zelt

Für das Schlafen in Deinem Zelt kannst Du beliebig viel Geld ausgeben. Das kann gerne vierstellig werden, wird dadurch aber trotzdem meist nicht leichter als ein Kilogramm. Gewicht ist jedoch nicht alles! Am leichtesten wäre dann nämlich die Bushaltestelle. Gehen wir davon aus, dass Du Dich für den Kauf eines Zeltes entschieden hast. Neben unseren

Tipps zum Zeltkauf

  • Dein Zelt sollte in einem dunklen Farbton (z.B. Olivgrün) gehalten sein, damit man Dich beim Wildcampen nicht gleich entdeckt
  • Dein neues Zelt sollte auch ohne Haken stehen können. Manchmal gibt der Untergrund keine Haken-Verspannung her
  • wenn Haken: überlege, welche essentiell sind. Es reicht, wenn Du nur diese mitnimmst
  • eine Zeltunterlage schützt den Zeltboden vor Beschädigungen
  • Aufbaufolge: erst das Außenzelt, dann das Innenzelt. Das ist bei Regen hilfreich
  • messe vor dem Kauf die Länge der Rahmentasche – vielleicht passt das Gestänge rein?
  • Achte darauf, dass Dein Außenzelt idealerweise eine Shakedry-ähnliche Oberfläche hat: dann kannst Du es trocken schütteln, bevor Du es verpackst
  • wie gut ist der Zeltsack? oftmals kannst Du ihn gegen einen ultraleichten Kompressionssack tauschen. Das spart Gewicht und Volumen.

solltest Du darauf achten, in welcher Jahreszeit das Zelt genutzt werden soll. Wenn wir vom “Normaleinsatz” ausgehen, bist Du nicht im Winter unterwegs. Das schlimmste, was Dir also passieren kann ist Regen. Auch hierfür hat die Industrie einen Referenzwert entwickelt, der Dir bei der Zeltauswahl helfen wird. Aber Achtung: da spielt dann gleich wieder das Zeltgewicht und das Packmaß mit rein!

Die Wassersäule

Die Wassersäule beschreibt mit einer Zahl die Dauer, die Deine Zeltoberfläche dem Regen Stand hält, bevor Wasser durch das Material dringt. Dabei entspricht die Millimeterangabe dem Druck in Wassertiefe. Bei Wikipedia wird das so beschrieben. Häh? Ok, ein Beispiel:

3.500 mm Wassersäule entspricht dem Wasserdruck in 3,5 Meter Tiefe

Ab einer Wassersäule von 1.300 mm gilt nach DIN-Norm das Material als wasserdicht.

Die Wassersäule bei einem Zelt wird unterschieden in Zeltboden und dem Zelt an sich. Damit von unten kein Wasser in das Zelt dringt, sollte mindestens eine Wassersäule von 5.000 mm gegeben sein. Das Zelt selbst sollte eine Mindestwassersäule von 3.000 mm haben. Aber auch Nähte und Reißverschlüsse spielen eine wichtige Rolle. Die Nähte sollten abgedichtet (Dichtband oder aufgepinselter Nahtdichter), der Reißverschluss idealerweise mit einer Lasche aus dem Obermaterial des Zeltes abgedeckt sein. Die Oberfläche kannst Du meist von Zeit zu Zeit nachimprägnieren. Hier solltest Du nur auf das passende Mittel achten.

Big Agnes Copper Spur HV UL
ein 990 Gramm leichtes Sommerzelt für eine Person
MSR Hubs NX
der Klassiker im Bikepacking: etwas über 1 Kg
Naturehike Cloudup
Ultralicht-Zelt für einen schmalen Taler und zwei schmale Personen


TIPP! Beim Zeltkauf die passende Zeltunterlage nicht vergessen gleich mit zu kaufen!

Der Biwaksack

Auch hier gibt es von der glänzend knisternden Plastiktüte bis zum halben Zelt mit zwei Stangen und wasserdichten Außenhülle. Es kommt also auf den Einsatz an: ist der Biwaksack für den Notfall (seine ursprüngliche Funktion), kannst Du auch zwei Rettungsdecken mit Paketklebeband zusammenpappen. Willst Du mehr (also komfortabel schlafen z.B.), gibt es wunderschöne Produkte von leicht bis schwer, von minimalistisch bis komfortabel.

Angebot
Salewa Biwaksack
PTX Single Schlafsackschutzhülle
Angebot
Snugpak Stratosphere Bivvi Tent
gut getarnt, jedoch über 1 kg Gewicht
Tunnelzelt
700 Gramm leicht
Outdoor Research Helium Bivy
476 (!) Gramm leicht - absolute Empfehlung!


Die Isomatte

Über Zelt oder nicht Zelt kann man geteilter Meinung sein. Eine gute Unterlage sollte jedoch immer dabei sein. Die Isomatte hat mehrere Aufgaben. Sie soll zum einen – wie der Name schon vermuten lässt – isolieren. D.h. Kälte von unten abhalten. Wie gut eine Isomatte letztlich isoliert, beschreibt der sog. R-Wert. Je höher dieser ist, desto besser sind die Dämmeigenschaften der Matte. Dabei gibt es auch die Möglichkeit, durch Aufeinanderlegen mehrerer Matten den R-Wert zu erhöhen (Addition). Zum Einsatz kommen Kunstfasern und Schaumstoffe.

R-WertTemperaturJahreszeit
1,0 – 1,5bis + 7 °CFrühling, Sommer, Herbst
1,5 – 2,5bis + 2 °CFrühling, Sommer, Herbst
2,5 – 3,5bis – 5 °CFrühling, Sommer, Herbst, Winter
3,5 – 4,5bis – 11 °CFrühling, Sommer, Herbst, Winter
4,5 – 5,5bis – 17 °CWinter
5,5 – 6,5bis – 22 °CWinter, Expedition
6,5 +ab -22 °Cextremer Winter, Expedition
Übersichtstabelle R-Wert

Eine weitere Aufgabe ist natürlich die Polsterung. Isomatten gleichen Unebenheiten aus und lassen Dich bequemer liegen. Je dicker die Matte also ist, desto mehr Unebenheiten wie Steine, Wurzeln o.ä. kann sie also ausgleichen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Oberfläche nicht verletzt wird.

Welche Arten von Isomatten gibt es?

Schaumstoffmatten

Meist werden sie als sperrige Rolle oder zusammenfaltbarer “Block” angeboten. Sie sind sicherlich die robustesten Unterlagen. Da sollte man nicht am falschen Ende sparen. Produkte aus dem Hause Therm-a-Rest sind die Empfehlung. Alternativ kann man sich natürlich auch bei DECATHLON umsehen, beachte jedoch bitte, dass ein R-Wert angegeben ist und die Matte nicht zu dünn ist. Leider sind diese Isomatten wie gesagt sehr sperrig und hochvolumig, dafür übersteigen sie die 400-Gramm-Marke selten, was bei aufblasbaren Matten erst weit im dreistelligen Eurobereich passiert.

Therm-a-Rest Isomatte
robuste Matte mit einem R-Wert von 2,2

selbstaufblasende Matten

Das ist sicherlich die schwierigste Materie. Da gibt es von/bis alles. Auch beim Preis. Für den Einstieg sollte die Isolation wichtiger als das Gewicht sein. Bei DECATHLON gibt es hier ganz gute Produkte. Möchtest Du etwas höher einsteigen, empfehle ich Sea To Summit, Therm-a-Rest oder Exped. Hier liegt der Einstieg bei ca. € 120,– und rund 500g. Achte bei Deiner Wahl darauf, dass die Matte nicht zu laut und/oder zu rutschig ist. Das kann extrem ungemütlich in der Nacht werden. Auch antimikrobiell behandeltes Innenmaterial schützt die Matte vor Schimmelbildung durch Luftfeuchtigkeit vom Aufblasen mit dem Mund.

Sea to Summit Ultralight Air Mat
in drei verschiedenen Größen und innen antimikrobiell behandeltes TPU

Luftmatten

Luftmatten reißen wir hier nur kurz an: diese sind eher für den Expeditionseinsatz gedacht. Die oftmals mit Daune gefüllten Matten zählen nicht unbedingt zum Equipment eines Hobby-Bikepackers im zentraleuropäischen Raum…

Der Schlafsack

Genau: Temperaturangaben auch Schlafsäcken – irgendwie funktionieren die nie. Egal, in welcher Preisklasse. Aber gehen wir die Temperaturangaben mal durch. Man geht bei den Werten übrigens von “Norm-Männern” (25 Jahre alt; 70 kg schwer; 1,73 m groß) und “Norm-Frauen” (25 Jahre alt; 60 kg schwer; 1,60 m groß) aus.

Oberer Grenzbereich (T max)

Dieser Wert hat keine Relevanz, er wird auch meist nicht angegeben. Er soll theoretisch der Wert sein, ab dem ein Mensch zu schwitzen anfängt.

Komfortbereich (T Comf)

Ein Wert der angibt, wann die “Normfrau” gerade noch nicht friert.

Unterer Grenzbereich (T lim)

Der Bereich, in dem der “Norm-Mann” noch nicht friert und den Schlafsack als komfortabel empfindet.

Extrembereich (T ext)

Der Bereich, den die “Norm-Frau” gerade noch überlebt. Also kurz vor dem Erfrieren.

So, aber jetzt mal zurück in die Realität. Ganz klare Empfehlung ist die Kombination leichter Sommerschlafsack plus Winterschlafsack. Beides Kunstfaser, weil platzsparend, schnell trocknend und kleineres Packvolumen. Wenn es dann doch zu frisch wird: lieber ein Langarm-T-Shirt aus Merino oder eine Primaloft-Daunenjacke mitnehmen.

Die Kleinigkeiten

Kleinigkeiten sind am Ende das, was die Nacht noch schöner macht:

  • eine Stirnleuchte (idealerweise auch mit rotem Licht)
  • ein Kopfkissen
  • griffbereite Merinosocken
  • eine Tüte für Deine Schuhe, falls es regnet
  • irgendwas zum Anlehnen des Smartphones, wenn Du noch was zum Einschlafen gucken willst
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