Wolfis Grenzsteintrophy 2020

GST - wir hatten noch eine Rechnung offen.

Lange Strecke, langer Bericht. Nachdem ich die Grenzsteintrophy 2019 nicht zuende fahren konnte, hatte ich noch eine Rechnung offen. In meinem Bericht schildere ich Dir meine Grenzsteintrophy 2020 und wie ich sie in sieben Tagen fuhr.

Tag 1
Dreiländereck - Neustadt bei Coburg (Generalsblick)

Saalbachquelle
Saalbachquelle mit Resten vom ehemaligen Gut Saalbach
Tageskilometer165 km
Fahrzeit8:40 Stunden
Höhenmeter2351 hm
Morgens in der Pension. Das, was so viel wie ein ordentliches Frühstück gekostet hat ist..... naja, hoffen wir, dass dafür die GST schön wird und das wird sie garantiert. Trotzdem: Es ist GST und alles essbare muss rein, irgendwie... Irgendwann ist es Zeit, langsam an den Start zu rollen. Wie immer habe ich länger gebraucht. Ich setze mich aufs Fahrrad - und merke, dass ich hinten fast keine Luft habe. Also aufpumpen und das Beste hoffen. Ich erwische noch die letzten Fahrer, die mit mir gemeinsam aufbrechen. Dann stehen wir am Startpunkt, dem Dreiländereck (Sachsen/Bayern/Tschechische Republik bzw. früher BRD-DDR-čSSR). Mein Fahrrad sagt, dass es unbedingt fahren will. Und dann ..... nein... bitte nicht... wirklich....??!! - Höre ich leider nicht verkehrt und kann es nicht leugnen, dieses typische Geräusch ... und die Luft verlässt erneut den Reifen. Hier zeigt sich wieder, wie cool Bikepacking ist: Man trifft eigentlich nur nette Leute unter den Fahrern, die hilfsbereit sind. So stehen gleich zwei Mitfahrer bereit und schauen mit mir, wo die Luft rauskommt. Christian bietet mir sogar an, seine Pannenmilch mitnehmen zu dürfen! Es stellt sich heraus, dass die Luft durch ein Loch an der Seite des Reifens austritt. Gleich einen Schlauch einziehen will ich nicht. Bis zum Brocken ist man besser mit Tubeless unterwegs, weil da der Untergrund sehr ruppig ist und einem Schlauch schnell Snakebites verpassen würde. Also nicht das wertvolle Material vorschnell opfern... In der Hoffnung, dass die Pan-nenmilch das Problem löst, lege ich das Fahrrad so hin, dass sie das Loch verschließen kann. Keine zehn Minuten später erneut das Geräusch. Angesichts der Tatsache, dass etwa 1300 km vor mir liegen und die Luft kaum 10 Minuten hält geht mein A... gehörig auf Grund-eis. Dann kommt der Hoffnungsschimmer von Mitfahrer Andreas: „Wenn der Tag scheiße anfängt, kann er nur gut enden.“ So kam es auch. Dann endlich ist meine Startzeit. Kurze Unterhaltung, ein paar Fotos und Initiator Gunnar F. erlaubt meinem Fahrrad und mir, auf die Strecke zu gehen! Wir zwei freuen uns total und sind hochmotiviert. Die ersten Meter. Unglaublich und voller Wiedersehensfreude. Vor allem, als die ersten Platten im hohen Gras auftauchen. Diesmal kennt sie mein Fahrrad schon und es rollt irgendwie viel leichter als letztes Jahr. Ich bin Starter 15 und will die anderen einholen. Auch um die eher gemütlich fahrenden, die vor mir gestartet sind, noch-mal kurz zu sehen. Es läuft einfach. Nach und nach sammle ich einige Fahrer ein. Ich treffe auf Leona, die angestrengt aussieht und irgendwann auch auf Christian, mit dem ich bis heute gut befreundet bin. Er ruft mir nach, ob der Reifen dicht ist. Ich wage keine Aussage und hoffe, dass alles gut bleibt, wenn ich nicht glaube, es wäre in Ordnung. Er sagt, dass es bis jetzt hält. Keine 10km später pumpe ich wieder. Das wird die nächsten zwei Tage bestimmen. Mal hält die Luft fast zehn km, mal knappe zwei. Egal. Es nervt zwar ein bisschen, aber die Motivation ist so hoch, dass es das bei weitem ausgleicht. Es geht viel auf und ab, aber noch ohne die typischen, sehr steilen Anstiege und Abfahrten in end- und gnadenloser Reihenfolge. Das ständige Pumpen kostet ein bisschen Nerven, aber vor allem in der Summe doch viel Zeit. Ich meine, mittlerweile auf Position 8 zu sein und sehe Fahrer Nummer 7. Dass muss ich wieder pumpen und er ist weg. Bei km 35 in Mödlareuth treffe ich ihn. Es ist Mathias Müller, Redakteur der BikeBild. Er stoppt mich kurz und zeigt sich als total cooler, netter Typ. Dann attestiert er mir, dass ich sehr flott unterwegs wäre und bittet um ein kurzes Interview. Auch das motiviert total. Irgendwann kommt ein schöner Abschnitt entlang der Saale und nach ca. 45 km nach der Saalbachbrücke der Brunnen mit besonders schmeckendem, eisenhaltigem Wasser. Der gehört zum „Pflichtprogramm“. ich empfehle das Wasser einem Fahrer, den ich kurz zuvor überholt habe. Für ihn ist das Wasser ungenießbar. Ich hole nochmals Fahrer ein und dann geht es nach ca. 60km rechts ab in den Wald, unter der Brücke einer ehemaligen Bahnlinie durch über einen langen Wurzelteppich (gepriesen sei das Mountainbike), dann über einen mehr oder weniger Singletrail den Berg hoch ebenfalls über Wurzeln und „oben“ angekommen sieht es aus, als würde der Wald enden - doch statt oben zu sein, stehe ich vor einer fast Senkrecht aussehenden Wand namens Kolonnenweg. Sicher 30% Steigung und damit der sichere Hinweis, dass die GST jetzt endgültig Realität ist. Die nächsten Stunden sind damit klar: absteigen - Fahrrad an mir vorbei den Berg hoch schieben - Bremsen ziehen - vier Schritte laufen, Fahrrad wieder schieben, wieder Bremsen ziehen usw. - oben aufsteigen, eine steile Abfahrt nicht zu schnell abfahren (man kann nie endgültig wissen, was kommt, ob eine Platte fehlt oder gekippt ist, ob es unten im rechten Winkel abzweigt, ob Dornen in die Fahrbahn hängen, ob unten Schlamm kommt oder ob nasse Platten das Fahrrad dem Fahrer entziehen wollen) - mit etwas Schwung in die nächste steile Steigung fahren, absteigen, schieben usw. Irgendwann schiebe ich das Pumpen etwas auf und dann passiert es: 28 Loch trifft 32 Loch oder: Platte trifft Felge. Für den relativ schlappen Hinterreifen sehe ich die hochstehende Platte zu spät. Bremsen / Ausweichen nicht möglich, also Festhalten und drüber. Das war`s dann wohl. Sicher ist jetzt der Reifen im A... und wahrscheinlich die Felge auch. F***! Ich halte an und: Alles in Ordnung! Aufpumpen und weiterfahren. Das Glück auf der GST ist eindeutig auf meiner Seite und sollte es auch bis zum Ende bleiben. Zur (unwillkommenen) Abwechslung muss ich alle paar Kilometer wieder nachpumpen. Bei km 75 habe ich geplant, die „Getränkehöhle“ diesmal nicht zu übersehen. Erneut hält mich jemand an. Es ist Markus, Scout des ersten Abschnitts. Er hat an der Getränkehöhle bei der Schutzhütte „Waldfrieden“ ein „Trail magic“ vorbereitet. Es gibt Bananen, Riegel, auch Suppe, Gummibärchen usw. Er meint, ich sei momentan an dritter Stelle und die ersten beiden (Oli und Daniel) seien noch nicht lange weitergefahren. Hunger habe ich nicht. Aber da ich weiß, wie schnell man bei der GST von der Verpflegung her in die Röhre schauen kann, esse ich auch ohne Hunger viel. Markus dreht mir noch einen Energydrink an, den ich als Notreserve einpacke mit dem festen Vorsatz, ihn allerspätestens am Anstieg zum Brocken zu leeren. Eigentlich mag ich das Zeug nicht - aber zufällig berichtete mir Christian gestern, wie ihn genau dieses Zeug schon einmal wieder zurück unter die Lebendigen brachte. Also vielleicht rettet es auch mich (und das sollte so sein...). Bis dahin kam ich bereits zweimal unerwartet auf nassen Platten ins Rutschen (vergleichbar mit Glatteis) und hatte einfach Glück, dass es nicht zum Sturz kam. Genauso fies sind übri-gens diagonal liegende Äste, denen man nicht ausweichen kann oder erst kurz vor dem Durchfahren sichtbarer Schlamm im „Loch“ zwischen steiler Abfahrt und direkt folgendem, ebenso steilem Anstieg... wenn es wie angekündigt die nächsten Tage regnet, kann die GST echt witzig werden. Bei ca. 100km geht es durch Fichtendickicht, das neben und aus den Platten wächst. Danke an Scout Markus, dass du hier dem Grenzverlauf treu geblieben bist! Und kurze Zeit später treffe ich Oli und Daniel, beide aus dem Schwarzwald. Daniel hat bereits ein offenes Knie von einem Sturz, aber fährt weiter. Als ich das nächste Mal am Pumpen bin, sind beide weg. In Probstzella beim Einkaufen treffe ich sie wieder, danach sind sie buchstäblich über alle Berge. Ich treffe sie später nochmal kurz und überhole sie letztendlich. Ich fahre stur mein Tempo und fahre damit buchstäblich gut. Inzwischen bin ich auch darauf gekommen, warum ich alle paar Kilometer Pumpen muss: Nach der GST 2019 entdeckte ich im Vorderreifen einen ca. 5cm langen Dorn in der Seitenwand. Da der Reifen noch relativ gut erhalten war, legte ich ihn als Trainingsreifen beiseite. Als ich vor der GST 2020 einen wirklich abgefahrenen, undichten Hinterreifen ersetzen musste, fiel mit der Reifen von `19 in die Hände, ohne mich ans Vorjahr zu erinnern... das Loch in der Seite ist einfach zu groß, als dass es die Pannenmilch dauerhaft verschließen könnte. Trotzdem habe ich noch Hoffnung, dass genau das passiert. Insgesamt habe ich Glück und treffe nur nette und hilfsbereite Leute. Gegen 21 Uhr halte ich die Augen nach einer Übernachtungsmöglichkeit offen. Erst kommt keine. Dann ist es noch zu hell und die nächste ist durch zwei Mädels besetzt, die mir aber freundlich die über-nächsten beiden empfehlen. Beide Mist (die Übernachtungsmöglichkeiten), da an einer stark befahrenen Straße. Falls es noch länger dauert, sollte ich noch etwas zu Trinken haben. In Wildenheid frage ich zwei Türken, die im Garten sitzen. Sie bestehen drauf, dass ich Spezi und kein Wasser trinken soll. Also gut - es ist ja GST, da kann man sicher auch den Zucker brauchen. In nicht weiter Ferne zeigt die Karte die Schutzhütte „Generalsblick“. Die könnte ich noch vor der Dunkelheit erreichen. Kaum freue ich mich über einen flachen Schotterweg an einem Bach, da taucht noch mitten im Weg Loch auf, je ca. 0,5m Breit, tief und lang. Es folgt ein obligatorischer Anstieg mit sicher 30%, natürlich auf Platte. Ich schiebe, schiebe, schiebe, schiebe und erreiche endlich den Generals-blick, bevor es ganz dunkel wird. Eine geniale Lage - besser als alle Übernachtungsmöglichkeiten vorher! Es hat sich gelohnt! Eine Lichtung auf der Höhe mit einer tollen Aussicht auf Sonneberg. Punkt 22 Uhr liege ich zu-frieden im Schlafsack.

Tag 2
Generalsblick - Behrungen - Eußenhausen - Melpers

Gedenkstätte an der Straße
Gedenkstätte an der Straße
Tageskilometer186 km
Fahrzeit10:04 Stunden
Höhenmeter2792 hm
Morgens, ca. 6 Uhr. Regen war angesagt und ein Blick runter nach Sonneberg verrät, dass er wohl auch kommt. Wenn ich zügig starte, kann ich ihm möglicherweise davonfahren. Wie immer heißt Einsicht nicht, dass es auch umgesetzt wird, aber ich komme noch da-von. Nach einigen Kilometern bin ich leicht neben dem Weg. Ich suche ihn und fahre dorthin, wo er laut Tacho sein sollte - und bremse scharf, sonst wäre ich in einem Tümpel. Bei Tag kann man darauf reagieren. Bei Nacht hätte es vermutlich nach Asphalt ausgesehen und ich wäre baden gegangen. Das bestätigt meine Überzeugung: Die GST bei Nacht zu fahren, ist extrem gefährlich. Es ist windig und nieselt, aber wirklicher Regen ist es nicht. Bei km 203 frühstücke ich in der Tankstelle bei der Gedenkstätte Eisfeld. Der Regen scheint zuzunehmen. Damit er aufhört hilft nur, Regenkleidung anzuziehen. Eine Viertelstunde später ist er tatsächlich vorüber. Und das nicht nur für diesen Tag, sondern für die gesamte GST! Es geht wieder oft ununterbrochen auf und ab, aber die Motivation ist hoch und bis auf das lästige Pumpen rollt alles gut. Ich versuche, möglichst weit zu kommen und nur wenn absolut nötig zu pumpen, um mir vielleicht am Ende des Tages zwei Mal das Vergnügen erspart zu haben. Bei Görsdorf wird es Zeit, das Trinken wieder aufzufüllen. Und wie gewünscht läuft mir keine 20m vom Track ein Friedhof über den Weg, Wasserhahn sogar von außen zugänglich. Auf den ersten 900km kenne ich viele Stellen noch vom letzten Jahr. Oft glaube ich, den Weg zu kennen, schaue dann auf den Tacho und biege ab, bis eine Fehlermeldung kommt und ich feststelle, dass ich nach Gefühl sogar richtig gefahren wäre. Nach ca. 40km merkt man, dass jemand anderes gescoutet hat. Die Strecke wird abschnittsweise an diesem Tag eher straßenlastig. Dafür gibt`s vor einer Gemeinde einen „Getränkekiosk“ mit Kasse zur Selbstbedienung. Da GST ist, wird diese Möglichkeit nicht ausgelassen... Die Luft bleibt immer kürzer im Reifen, so dass ich bei ca. km 250 zur Maxalami greife und damit für die kommen-den Tage endlich Ruhe habe und die Zeit zum Fahren nutzen kann. Ab da läuft es sehr angenehm. Die Höhenmeter summieren sich weiter. An einer Strasse kommt eine kleine Gedenkstätte zwischen Zimmerau und Rieth, kurz später kommt der Bayernturm ins Blickfeld. Selbstverständlich geht es auch dort über einige Anstiege hin. Zwar auf Asphalt, aber trotzdem steil... Das Gasthaus sieht geschlossen aus und ich fahre gleich weiter. Etwa 20km später geht es Richtung Irmelshausen. Dort ist ein Campingplatz, bei dem es vielleicht ein Eis und etwas zu trinken gibt. Nach einem relativ mühsam zu fahrenden und zugewachsenen Stück Kolonnenweg taucht der Campingplatz unerwartet auf. Kiosk geschlossen und auch sonst niemand da, aber Dusche / WC offen. Flaschen auffüllen, Hände waschen und sich über den effektiven Boxenstop freuen - weiter geht`s! Vorbei an einem Mittagsschlafplatz von letztem Jahr über meistens offene Landschaft, oft mit schönen Aussichten. Inzwischen ist es später Nachmittag und langsam an der Zeit, irgendwo Essen zu schießen. Bei Sontheim lasse ich ein kleines Vermögen in der Tankstelle liegen. Aber: Auch 2x Tankstelle kann die Ernährung sichern. 10 km später bin ich am ehemaligen Grenzübergang Eußenhausen-Meiningen und dem Skulpturenpark deutsche Einheit. Im Vergleich zum letzten Jahr ist das Fahren deutlich weniger anstrengend. Vielleicht, weil ich schon ungefähr weiß, was mich erwartet und Teile der Strecke schon kenne. Sicher auch wegen der deutlich angenehmeren Temperaturen. Hier haben wir letztes Jahr zu früh übernachtet. Die Motivation ist da, Essen habe ich dabei, es ist noch nicht spät genug und so fahre ich mit dem guten Gefühl, aus dem letztjährigen Fehler gelernt zu haben, weiter. Ich verfahre mich kurz und stoße so auf aufgebaute Sperren des Grenzüberganges, sehr interessant. Der Weg wird immer wieder sehr ruppig. Es gibt schöne Ausblicke über die Rhön, und dann wieder konzentrierte Blicke auf den Untergrund. Etwa bei km 350 hätte es einen Schlafplatz (überdachter Tisch mit Bänken) gegeben, aber leider ist alles umgekippt. Die Strecke führt wieder mehr durch Wald. Neben der Strecke bietet sich kein Platz wirklich zum Schlafen an. Der Bewuchs ist Sicht und besteht oft aus Brennnesseln und Brombeeren. Es folgen Tiefe Pfützen, Schlammlöcher und umgestürzte Bäume. Wer nicht von Insekten gefressen werden möchte, muss hier Abbildung 8: Grenzsicherungsanlagen beim Übergang Eußenhausen weiterfahren. Wer hinter mir ist und mich heute einholen möchte, muss die Teile der Strecke, die ich schon hinter mir habe, in der Dunkelheit fahren. Etwa 10km später läuft es auf dem Kolonnenweg etwas besser. Es geht nach schöner Aussicht am Abend bergab. Ein Dorf kommt in Sicht und davor ist wie letztes Jahr ein Draht einer Kuhweide über den Weg gespannt. Ich trage das Fahrrad über den Draht, dann über die nächsten Draht und bin über die Weide in Melpers. Es ist ca. 20.30 Uhr und Zeit, einen Schlafplatz nachzudenken. Das Handy verrät, dass die nächsten Kilometer nichts kommt. Ich frage einen Jungen im Ort, der mich zu seinem Opa führt. Der weiß auch keine Hütte... Ich erkläre ihm, was ich wirklich brauche. Da kommt ihm die Idee, ich könnte entweder 80m weiter oder wieder zurück bis hinter die Kuhweide fahren. An beiden Stellen seien Tische mit Bänken und Dach, aber seit Erbauung nicht mehr gepflegt und nicht wirklich zum Schlafen geeignet. Ich entscheide mich für die Obere Gelegenheit und fahre wieder zurück. Kaum bin ich über den ersten Zaun der Kuhweide, kommt die ganze Kuhherde auf mich zugerannt. Ich renne zum zweiten Zaun und bin gerade darüber, bevor die Kühe bei mir sind. Sie stellen sich alle am Zaun in einer Reihe auf und schauen mich an. Jetzt kommt hier keiner mehr durch. Ich suche nach Beschreibung den Schlafplatz hinter dem Waldrand und finde ihn sofort. Perfekter Ort! Die Sonne geht langsam unter und die Kühe stehen immer noch am Zaun. Wer jetzt hier durch will, hat ein Problem. Abendessen, umziehen, Schlafplatz richten, Zähne putzen, hinlegen und nachdenken: Hätte ich nicht weiterfahren sollen? Ich bin eigentlich nicht müde und hätte noch Lust gehabt zu fahren. Die beiden Fahrer hinter mir fahren wohl noch. War es zu früh und die falsche Entscheidung? Ich schlafe in der Nacht kaum. Aber der Platz ist genial. Das Dorf nebenan und doch allein. Und viele Geräusche von Waldtieren in der Nähe.

Tag 3
Melpers - Rhön - Point Alpha - Point India

Monte Kali
Monte Kali
Tagekilometer187 km
Fahrzeit12:49 Stunden
Höhenmeter3785 hm
05:43 Uhr: Es wird hell und ich sollte weiter. Frühstücken, Sachen packen und los. Die Kühe haben den Weg wieder freigegeben. Wasser auffüllen, kurz das Tal entlangfahren und dann geht`s bald wieder den Berg hoch. Das hilft gegen die Kälte. Nach wenigen Kilometern geht der Weg in eine Fahrspur über, in der viele Äste liegen. Sie ist immer schwerer zu sehen, aber ich scheine auf dem Track zu sein. Irgendwann ist nicht mehr auszumachen, wo ein Weg (gewesen) sein könnte. Ich orientiere mich am Track. Der Bewuchs am Waldboden wird dichter und dann stehe ich in einem Dickicht aus Bäumen und Brennnesseln. Ich scheine vom Weg abgekommen. We-der Tacho noch Handy haben genügend Signal, um mit zuverlässig zu verraten, wohin es geht. Ich versuche es in alle Richtungen. Der Boden ist stark verackert und ich hoffe, auf dem Track und nicht im Feld mit evtl. Vergessenen Minen zu sein. Nicht mal der KFZ-Sperrgraben ist eindeutig auszumachen. Da kommt gerade von meinem Chef Daniel eine ermutigende Nachricht (natürlich in diesem Moment, weil die GST für mich einfach unter einem guten Stern steht). Nach nervenaufreibenden Experimenten laufe ich nach Gefühl nach oben und komme nach mühsamen hundert Metern wieder auf den Track. Es folgt ein ähnlich bewachsenes Stück, beim dem ich aber den Track leichter finde. Oben endet der Wald und es geht ohne sichtbaren Weg über eine Wiese mit Felsbrocken und einzelnen Bäumen. Eine neue, schöne Landschaft. Natürlich geht es dann wieder auf und ab und dann ist wieder ein Weidezaun über den Weg gespannt. In der Weide sind viele Kühe und der Bulle scheint mich schon zu erwarten. Ich habe keine Lust, neben der Weide durch den Graben zu schieben. Ich rede kurz mit dem Bullen und gehe in die Weide. Er läuft eine Weile neben mir her bis er merkt, dass ich an seinen Kühen kein Interesse habe. Dann bleibt er stehen und lässt mich ziehen. Es folgen wieder Höhenmeter und eine zweite Durchfahrt bergab durch dieselbe Weide. Der Weg ist nass und manchmal besteht er auch nur aus Wiese. es ist kurz nach 7 Uhr und ich komme den Berg hoch Richtung Frankenheim. Obwohl ich weiß, dass der Konsum erst um 8 Uhr öffnet, fahre ich trotzdem von der Strecke ab in den Ort. Warum? Weiß ich nicht... wie erwartet hat der Konsum geschlossen und es gibt auch keinen Bäcker o.ä., aber der Laden sieht aus wie zu DRR-Zeiten und war den Abstecher definitiv wert. Zurück auf die Strecke, dann kommt ein Wachturm. Der Weg geht da-hinter vorbei, der Track eher davor. Und hier sind Spuren im Gras. Also wurde ich wohl überholt. Wer gestern länger gefahren ist, kann das z.B. während meines „Ausflugs“ nach Frankenheim geschafft haben. Egal, dann hat er es sich verdient. Nach weiteren 10km durch schöne Rhönlandschaft fahre ich ziemlich oben an einem Berg zwischen zwei Steinen durch und stehe vor ei-ner Felswand samt Erdrutsch. Hier gab es letztes Jahr die Anweisung, umzukehren und diese Stelle zu umfahren. Dieses Jahr soll man da irgendwie hoch. In der Erde sind noch keine Spuren. Also wurde ich wohl doch noch nicht überholt. Ich versuche, den Berg hochzukommen. Der Boden ist fest und nass, so dass ich mit meinen Sohlen immer wieder zurückrutsche und mehrere Anläufe brauche. Nach den ersten Metern wird es flacher, geht dafür aber durch Hecken ohne sichtbaren Weg. Oben folgt eine Wiese. Der Weg ist nicht immer sichtbar, aber trotzdem kommt man hier gut (und meine Weile sogar flach) vorwärts. Teilweise ist der Weg dicht mit Lupinen bewachsen. Manchmal ist der Kolonnenweg so unter dichtem Gebüsch, dass der Weg daneben durch die Wiese führt. Irgendwann tauchen auf einem Höhenzug Antennen auf. Ich vermute, dass es Point Alpha ist und entwickle die wahnwitzige Vorstellung, in vielleicht 1,5 Stunden oder spätestens 20km dort zu sein. Bis dahin geht es aber in der Realität sehr oft hoch und runter und wenn ich glaube, die Höhe erreicht zu haben, geht es wieder abwärts und wieder hoch und das Ganze nie auf direktem Weg. Ich wähne mich näher am Ziel, als ich bin. Und: der Mast o-der Turm ist gar nicht Point Alpha... Aber die Vorstellung, bald dort zu sein, motiviert sehr zum Fahren. Langsam kommt leichter Hunger auf. Ich beschließe, bei Point Alpha zu essen. Wasser an einem Brunnen auffüllen, weiterfahren. Berg hoch natürlich. Aber die Region ist bei Wanderern scheinbar beliebt. Daher sind auch die Wege gut gepflegt und die Platten gut verlegt. Sogar das Gras dazwischen ist oft gemäht. In beginnender Hitze lädt eine Bank zum Mittagsschlaf ein. Müde bin ich, aber der Wanderer (→ Mensch) in der Nähe schreckt vom Mittagsschlaf ab. Außer-dem soll der Schlaf verdient sein, also erst mal hoch und oben schauen. Da kommt nichts... Irgendwann, ca. 50 km nach dem vermeintlichen ersten Sichtkontakt, bin ich plötzlich auf dem Kreuzweg zum Point Alpha. Ich fahre erst in die falsche Richtung und dann nach Geismar zum Super-markt. Was ich nicht berücksichtigt hatte: er liegt zwar nur ca. 2km neben der Strecke, aber die geht es den Berg runter mit gut 10%. „Nur“ 130 Höhen-meter, aber wirklich steil. Ich kaufe den halben Supermarkt leer, esse auf dem Parkplatz und packe des Rest aufs Fahrrad. Bei Point Alpha esse ich den Rest. Ich bastle ein Pennerlager aus Verpackungen, Taschen, Schuhen, Socken und Handschuhen und schlafe im Schatten auf einer Bank 20 min., dann kommt eine Mitarbeiterin aus dem Museum und bittet mich freundlich, mein Fahrrad nicht an das Stück Grenzmauer zu lehnen, da es ein Ausstellungsstück ist. Ihrer Kollegin ist dieses Verhalten offensichtlich peinlich und so darf ich kostenlos aufs WC und mein Trinken auffüllen. Ich fahre weiter und werde nach wenigen hundert Metern von einer Frau angehalten, die mir an einem steilen Anstieg in den Weg springt. Ich glaube, dass sie sich über Radfahrer auf Wanderwegen aufregen möchte. Sie fragt aber, was ich mache und wohin ich will und findet das hochinteressant. Sie outet sich als Reiseführerin und meint, jetzt hätte sie eine neue Attraktion, die sie erzählen könnte. Auch ihre Reisegruppe motiviert mich und wünscht mir eine gute Fahrt. Dann wird es wieder einsamer und die Wege wieder schlechter. Die steilen Anstiege folgen wieder in endloser Reihenfolge. Aber der Untergrund ist trocken und der Reifen hält die Luft gut. Vor einer steilen Abfahrt in den Wald steht ein nicht gepflegter Wachturm und dahinter erscheint der Monte Kali, die riesige Abraumhalde des Kaliwerks Unterbreizbach. Es geht steil den Berg runter auf der Platte. Sie wird plötzlich nass und eine Straße kreuzt unten meinen Weg. Ich bremse stark. Beide Räder blockieren und so rutsche ich die letzten Meter vom Platten-weg mitten auf die Straße, ohne etwas tun zu können. Zum Glück kam kein Auto. Weiter geht`s nach Unterbreizbach und über die Werra. Dann eine kleine Trage- und Schiebepassage mit Treppen im Wald den Berg hoch und auf gutem Untergrund weiter. 30km weiter ist die Halde immer noch gut sichtbar. In Berka gibt`s beim Rewe wieder ein Essen aus Prinzip und dann geht es zügig weiter. Es folgen sehr viele, teils auch sehr komfortable Schutzhütten. Die muss ich alle liegen lassen, weil es erst Nachmittag ist. Insgesamt gibt es immer wieder flachere Stücke, auf denen es sich gut fährt. Nach Lauchröden lasse ich die Brandenburg als tolle Übernachtungsmöglichkeit am falschen Ort liegen und fahre weiter Richtung Herleshausen. Dann ist es früher Abend und in den nächsten Stunden Zeit, eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Zehn Minuten Zwangspause wegen starkem Nasenbluten und dann verlasse ich langsam das Werratal. Am Horizont in meiner Fahrtrichtung regnet und blitzt es. Möglicherweise werde ich noch nass - und wenn möglich schlafe ich nicht unter freiem Himmel, falls es heute Nacht gewittert. Nach einigen Anstiegen im Wald dämmert es. Schlafplätze sind keine in Sicht, nur Hochsitze am Wegrand für den Notfall. Auch keine Wiese o.ä. taucht auf, wo ich im Notfall schlafen könnte. Also weiterfahren... Der Sonnenuntergang ist phänomenal, aber langsam kommt Unruhe auf, wo die Fahrt heute endet. Die Sicht im Wald lässt sehr nach und die App verrät die nächsten Kilometer keine Übernachtungsmöglichkeit. Also weiter... teils auch durch feuchtere Waldstücke. Nach weiteren Höhenmetern geht es irgendwann doch noch aus dem Wald heraus. Noch etwas durch offenere Landschaft und dann taucht ein Dorf auf. Erleichterung, dass es hier Zivilisation gibt. An einer Kreuzung ist eine Wandertafel: Point India. Mit Foto von einem Turm. Der sieht vielversprechend aus, also suche ich den Weg. Laut Wegweiser wenige hundert Meter. Also Wanderweg statt asphaltierte Straße außen rum. Nach 200m wird der Wanderweg sehr schmal und steil mit Geländer. Zu steil zum Schieben. Ich rutsche mit dem Fahrrad mehrmals zurück. In der zweiten Kurve lasse ich es liegen und laufe hoch um zu schauen, ob es überhaupt einen Schlafplatz gibt. Leider sind noch Stimmen zu hören, also gibt es vielleicht dort Leute, die eine Übernachtung ungern sehen. Es ist nur ein Vater mit seinem Sohn. Beide sind gerade am Gehen und raten mir, im Turm zu übernachten. Also wieder Berg runter und irgendwie Fahrrad holen, was sich als harte Arbeit erweist. Im Wald ist es inzwischen komplett dunkel, Am Turm gerade noch hell. Das Zimmer hat auf allen vier Seiten Fenster, Teils mit Glas und ist sehr sauber. Ich packe die Sachen aus und schlafe ein, während es in der Ferne immer wieder blitzt.

Tag 4
Point India – Schifflersgrund – Werratal – Eisfeld - Ellrich

Original Grenzzaun
Längster original erhaltener Grenzzaun
Tageskilometer177 km
Fahrzeit12:59 Stunden
Höhenmeter3656 hm
Das Handy klingelt. Die Nacht war im Turm war unerwartet windig und es ist kalt. Aufstehen? Heute später. Ich schlafe nochmal und stehe dann auf. Dann geht`s wieder los. Heute fahre ich die Straße runter. Die hätte gestern wesentlich weniger Zeit und Mühe gekostet. Das nächste Mal dann... Treffurt ist ca. 30km entfernt. Da ist ein richtig guter Bäcker zum Frühstück fest eingeplant. Der Weg dorthin zieht sich in die Länge, beinhaltet aber auch interessante Elemente wie ein Stück Original-Grenzzaun (Baum-kreuz) bei Lüderbach. Wieder an der Werra entlang, aber auch viel auf Asphalt. Unterwegs Kirschen essen und beim Bäcker dann eine Pause. Oft gut verlegte Platten mit schnellen Stücken auf der Ebene, dann wieder sehr steile Abfahrten, auf denen die Vibration die Arschrakete am Reifen streifen lässt und so zum Anhalten zwingt (bis ich eine Lösung gefunden habe). Ohne Ergebnis für zwei Wanderer nach dem Weg gesucht und mich selbst verfahren. Durch Asbach-Sickenberg und weiter wieder leicht hoch mit schönen Ausblicken aufs Werratal, dann einige Kilometer bis zum Grenzmuseum Schifflersgrund und von da geht es komfortabel und schnell abwärts zurück ins Werratal. Hier folgt eine kurze Enttäuschung: ein asphaltierter Weg mit tausend Radfahrern am Fluss entlang. Die Kilometer sammeln sich schnell und trotzdem ist es enttäuschend. An einem Kiosk ein Eis oder ein kühles Radler? Nein, die Warteschlange schreckt ab. So ist es auch beim nächsten Kiosk. Und plötzlich biegt der Track vom Radweg ab. Zurück auf die Platte und das sehr steil den Berg hoch. Nach kurzer Zeit schiebe ich. Gut 45% Steigung mit 275hm auf wenigen hundert Metern - Sonneneinstrahlung und 28°C inbegriffen. Oben dafür der Lindewerrablick, ein Aussichtspunkt bzw. ein guter Grund für eine kurze Pause. Beim Fahren im Stehen merke ich, dass mir die Hose langsam weit wird, weil ich mehr verbrenne als ich essen kann. Auf der Höhe folgt die Burg Hanstein, deren Turm wohl auch von den Grenztruppen als Beobachtungsturm genutzt wurde. Ganz in der Nähe ist eine Wirtschaft mit Biergarten. Ich halte an, steige ab und warte kurz. Dann beschließe ich, woanders ein Eis zu kaufen, weil es hier keins zum Mitnehmen gibt. Auf Asphalt ohne Mühe den Berg runter und dann taucht rechts ein gnadenlos steil verlaufender, fast senkrecht aussehender Kolonnenweg auf. Das ist mir egal, bis mich der Track genau auf den Weg schickt. Dann wieder gefühlt ewig Straße. es läuft so flott, dass ich die „Kohldampfstube“ und einen weiteren Kiosk liegen lasse. Sollte man auf der GST nicht machen... dann kommen einfach keine Orte mehr. In Freienhagen wage ich einen erneuten Versuch, ein Eis zu bekommen. Vergeblich. Aber ein Anwohner hat mich gesehen und stoppt mich. Er möchte wissen, was ich mache und versorgt mich mit Wasser und Salz. Noch glaube ich, heute Nacht den Brocken erreichen zu können. In der Realität sind es aber noch etwa 80km. Es geht durch das Grenzmuseum Eichsfeld und bei Nachmittagssonne auf dem Kolonnenweg wieder in weniger dicht besiedeltes Gebiet. Es folgen wieder Schutzhütten und Hinweisschilder, wegen möglicherweise vergessenen Minen auf den Wegen zu bleiben. Natürlich achte ich nicht immer auf den Weg und muss so auch mal wieder einen Berg hochfahren, den ich zuvor für den richtigen Weg hielt. Langsam zahlt es sich aus, dass ich sämtliche Verpflegungsmöglichkeiten vorher ignoriert habe. Ich komme sporadisch durch kleine Dörfer. Manche hätten sogar eine Bäckerei, aber die hat samstagabends eben geschlossen. Wasser spenden freundliche Anwohner, das Thema „Essen“ be-stimmt mehr und mehr die Gedanken. Die nächsten Stunden komme ich kaum durch Orte. Bei Mackenrode wurde eine neue Straße gebaut, die meinen Track wohl beerdigt hat. Ich klettere eine Böschung hinunter und bin irgendwann wieder auf dem Kolonnenweg. Ein Ehepaar hat einen Tisch aufgebaut. Ich quatsche sie an, ob sie die Versorgungsstation sind und bekomme Wasser von ihnen (auch Bier hätten sie im Angebot gehabt). Wir reden ein paar Minuten und sie erzählen, dass ihnen vorhin ein Jäger gesagt hätte, sie sollten sich hier nicht im Naturschutzgebiet aufhalten. Der Track führt über den Weg, den sie als nicht fahr-bar ausgeschlossen haben (und das Vorderrad verschwindet unerwartet neben einer Platte einen halben Meter tief im Dickicht) und verläuft einige Kilometer auf der Ebene, bis es langsam den Berg runter geht nach Ellrich. Ich biege in den Ort ab und muss vor einer Bahnschranke sicher 10 min. Warten. Dann frage ich einen Mann, wo die Tankstelle ist. Er sagt, dass diese um 22 Uhr schließt und die Kirchturmuhr schlägt in dem Moment. Ok, das war`s dann mit Essen kaufen. Ich schaue nach einer Möglichkeit zur Übernachtung und finde nach längerem Suchen in der Nacht eine Hütte. Daneben soll wohl noch eine sein, aber die finde ich nicht. Also nehmen was es gibt. Eine Packung Gummibärchen und ein paar Riegel aus der Notreserve sind das Abendessen. Dann in den Dreck auf dem Boden liegen und schlafen. Mäuse sind auch da und meine Hand fasst in etwas schleimiges. Bitte keine Schnecke - Licht an - OK, doch eine. Nachts mehrere Schüsse in der Nähe, aber das kann mir egal sein. Die Hälfte der Gesamtstrecke habe ich diesen Tag hinter mir gelassen. Von den Höhenmetern her deutlich mehr...

Tag 5
Ellrich - Brome

durchtrennte Eisenbahnlinie
Relikt einer durchtrennten Eisenbahnlinie, hier vor Stapelburg
Tageskilometer### km
Fahrzeit##:## Stunden
Höhenmeter#### hm
Der Tacho leuchtet morgens und hat noch gut 50%. D.h. er leuchtet, seit er voll war und hat auch an der PowerBank gesaugt. Noch kein Problem, aber auch kein Grund zur Entspannung. In 20km komme ich nach Hohegeiß, da gibt es einen Bäcker. Dann ist das Problem mit dem Essen wieder erledigt. Und da er erst um 8 Uhr öffnet, kann ich sehr gemütlich auf-stehen. Wäre ich gestern noch 10km gefahren, hätte ich in einer richtig Luxuriösen Schutzhütte geschlafen - allerdings nicht allein, da ich hier eine Gruppe Bikepacker aufstöbere, die eine kürzere Tour gemacht haben. Nach einigen harten Traktor-spuren und Wegen durch tausend Äste von Forst-arbeiten erreiche ich die Bäckerei. Sechs Brötchen sind sofort gegessen, dann kaufe ich noch Proviant und verlange ein Stück Kuchen. Die Verkäuferin grinst und packt etwa ein Stück von der Größe eines Viertel Backblechs ein. Zudem lade ich hier solange die Powerbank. Gut gestärkt geht es auf den Brocken. Oben ist sehr viel los und es hat bei guter Aussicht und Sonne etwa 10°C und Wind. Heute heißt die Sorge nicht Essen, sondern Strom. Nach dem Brocken geht es zügig voran, eigentlich immer abwärts und schneller als gedacht sehe ich den Harz nur noch aus der Ferne. Ich fahre durch Stapelburg und Richtung Hornburg. Dort gönne ich mir einen Teller Nudeln und eine Pizza. Als teilweise einziger Gast hat der Wirt die Ruhe weg und die Aktion dauert deutlich über 1,5 Stunden, dafür ist aber meine Powerbank auch an der Steckdose (Tipp: lieber den Tacho direkt laden - die Powerbank rückt unter einem gewissen Lade-stand nichts raus!). Endlich geht es weiter in der Sonne auf ebener Strecke durch endlose Felder. Leicht genervt von der toten Zeit fürs Essen, dafür aber gut gestärkt, kann ich gut Gas geben. Nach schneller Kilometern wird es manchmal leicht hügelig oder geht durch Wald. Ich erreiche das Museum Hötensleben mit seinen Grenzanlagen und fahre anschließend durch das Helmstedter Braunkohlerevier. Vorbei an den Tagebauseen Viktoriasees und Anna Süd und dann „durch“ den zukünftigen Lappwaldsee des ehemaligen Deutsch-Deutschen Tagebaus Wulfersdorf. Den See sehe ich nicht. Aber der Tacho zeigt auf dem einzigen Weg eine Streckenabweichung und ich merke, dass ich et-was zurück und dann den Berg hochtragen muss. Die Stufen aus Pfosten und Bündeln von Heckenschnitt verraten, dass es eine zu-künftige Uferbefestigung sein muss. Oben bei einem Strommasten angekommen geht es wieder herunter auf einen Weg nach Harbke und dort zur Schlossruine. Dort muss der Kuchen von heute Morgen dran glauben, der durch die Fahrt einen zusätzlichen Vollkornbelag aus Grassamen erhalten hat. Da-nach geht es ein paar Kilometer durch den Wald zur früheren Grenzübergangsstelle Marienborn. Ich passiere ohne Probleme die LKW-Abfertigung und komme m in den Osten, doch beim letzten Zaun stehe ich doch vor verschlossener Tür. Kein Durch-gang ist zu finden. Also wieder zurück und außenrum. Eine ältere Dame fährt auch gerade heraus und sagt mir, dass die Gedenkstätte seit 17 Uhr geschlossen ist (es ist 18 Uhr und Sonntag). Plötzlich kommt ein älterer Mann aus dem Pförtnerhaus und will mit mir schimpfen. Ich frage die Dame schnell nach dem Weg und der Mann kehrt um. Aus Sorge um den Strom sollte ich mir vielleicht eine Powerbank in der Raststätte kaufen. Erst suche ich ewig, dann finde ich irgendwo zwischen viel Ramsch eine Powerbank für 50€ aus der Steinzeit. Der Preis ist kaum mehr leserlich und die Frau an der Kasse extrem unfreundlich. Also lieber eine Cola statt eine leere Powerbank zum Höchst-preis kaufen. Wieder mindestens 15 Minuten im Eimer. Genug der Menschheit für heute. Dafür entlohnt die folgende Strecke. Durch eine Lücke in der Wand raus auf den Track und über die Autobahn und dann geht es mit vielen kleinen An- und Abstiegen ewig durch den Wald. Oft sogar auf der „Luxusplatte“ mit drei Löchern. Menschen: keine. Kurz vor dem nächsten Ort zeigt der Tacho erneut eine Abweichung. Natürlich nach einer Abfahrt. Also wieder hoch und auf einen versteckten Singletrail nach Grasleben abbiegen. Die Sorge um die Akkulaufzeit fährt nicht erst seit jetzt permanent mit. Gegen 21 Uhr fahre ich in schöner Abendstimmung am sehr idyllisch gelegenen Schloss Seggerde und dem zugehörigen riesigen Bauernhof vorbei (Früher auch teilweise durch die Grenztruppen genutzt). Es geht durch flache, offene Landschaft mit kleinen Dörfern. Ich fülle bei einem Bauern nochmals Wasser auf und erreiche irgendwann den Drömling, „das Land der tausend Gräben“, das seinen Namen nicht umsonst hat. Auf Schotter sehr komfortabel und schnell zu fahren, und trotzdem ist es nach 22 Uhr und dunkel. Es wird kühl und ich ziehe etwas an, hole das Licht raus und sende bei der Gelegenheit gleich meine Position, da-mit sich niemand Sorgen macht. Nebel ist dicht über dem Boden. In der Dunkelheit durch die Schwaden zu fahren macht richtig Laune. Schlafplätze gibt es keine. Vielleicht kann ich es heute ja bis Brome schaffen. Nur zwei Türme zur Vogelbeobachtung o.ä., die nächtliche Kälte, Feuchtigkeit und Insekten versprechen. Also mit Vollgas weiter, bis mir ein Hase in den Weg läuft. Ich halte an, damit er verschwindet, aber habe ihn gleich wieder vor mir. Das wiederholt sich oft, bis er endlich mal abbiegt. Dann endet das Gebiet und eine Ortschaft kommt in Sicht. Ich schaue auf dem Handy. Es ist Brome, aber der Track macht erst noch eine Ecke. Also dem Track treu bleiben, vor dem Ort abbiegen und über die Felder in den Wald. Dann geht schnell die Suche nach dem Weg los. In der Dunkelheit noch spannender. Ich irre durch den Wald und verliere mehrmals den Track. In völliger Dunkelheit sieht alles anders aus und ich Taste mich irgendwie durch. Irgendwann sehe ich wieder eine freie Fläche und fahre einfach gerade durch. Den Graben sehe ich in den Brennnesseln nicht und so kommt es zum Abgang über den Lenker. Dann fahre ich eine Weile parallel zu einem Weg durch ein Feld, bis ich den Weg finde. Schließlich komme ich in Brome an, finde schnell die richtige Straße zu meinem Ziel und fahre daran vorbei. Aber ich finde es doch und schlafe wie letztes Jahr sehr luxuriös im Eingangsbereich eines Vereinsheims. Natürlich checke ich auch den Stromkasten, an dem ich letztes Jahr meine Akkus laden durfte, doch er ist leider verschlossen. Es ist 00:21 Uhr, Zeit zum Schlafen.

Tag 6
Brome – Elbe – Gorleben – Valluhn

Grenzübergang Marienborn
Grenzübergang Marienborn
Tageskilometer268 km
Fahrzeit14:44 Stunden
Höhenmeter582 hm
Aufstehen klappt nach gutem Schlaf heute gut. Der Rest der Strecke wird flach und ich will heute weit kommen. Beim Losfahren merke ich, dass ich die Brille heute Nacht wohl in den Brennnesseln verloren habe, ein herber Verlust. Nach einigen Kilometern biege ich im Wald schnell um eine kurve - und stehe vor einer großen Wildsau. Wir schauen uns an, aber ehe ich sie fotografieren kann, rennt sie weg. Geiles Erlebnis - und das kurz vor 6 Uhr! Danach folgt flache Schotterstrecke in einem Naturschutzgebiet. Vormittags erreiche ich Salzwedel und komme direkt am Kaufland vorbei. Vielleicht gibt`s dort eine Powerbank. Am Eingang werde ich aufgehalten: Zutritt nur mit Einkaufswagen. OK, schon beleidigt. Dann nicht. Beim Bäcker Essen und weiterfahren. Es ist inzwischen warm und sonnig und nach wenigen Kilometern ist der Hinterreifen wieder schwammig. In der Hitze scheint sich die Maxalami zu verändern und aus ihrem Loch herauszurutschen. Ich stopfe sie zurück und pumpe. Viel-leicht 20km später dasselbe Spiel. Und dann immer öfter. Aber dafür oft Schotter oder Asphalt, so dass ich gut vorankomme. Ich komme schneller als gedacht und müheloser als letztes Jahr an die Stelle (Kläden), wo ich mich letztes Jahr zum Abbrechen entschließen musste. Dieses Jahr fahre ich weiter. Wenn es richtig gut läuft, könnte ich evtl. mit einer Nachtfahrt mein Ziel erreichen. Ich fahre an Arendsee vorbei und durch ein größeres, etwas eintöniges Waldgebiet. Dann komme ich am Zwischenlager und Erkundungsbergwerk Gor-leben vorbei. Liegt mitten im Kiefernwald und ist unerwartet unspektakulär. Ewig lange auf Platte durch sandigen Kiefernwald. Ein Wegweiser zeigt die erste Ortschaft an der Elbe in Reichweite. Heute läuft es. In Hitzacker gibt es eine größere Essenspause, frisches Wasser beim öffentlichen WC und einen Umbau von Tubeless auf Reifen mit Schlauch, da mir der Reifen viel Arbeit macht. Dann sehe ich von einem Höhenzug aus erstmals auf die Elbe. Der Track ist schön auf einem Wanderweg und etwas abseits der Elbe geführt mit guten Aussichten auf den Fluss und das Land dahinter. Obwohl die Anstiege nicht lang und relativ flach sind, merke ich erstmals auf der GST die Anstrengung in der Muskulatur. Ich muss ganz leicht und ohne Kraft pedalieren, um keine Krämpfe zu bekommen. An einem schönen Aussichtspunkt trinke ich eine Flasche Wasser mit aufgelöster Mineralientablette. Kurz da-nach ist alles wieder gut. Es geht vorbei an schönen niedersächsischen Bauernhäusern und irgendwann wieder runter Richtung Elbe. Ich suche unten länger den Track, aber es ist kein Weg zu sehen. Also irgendwann irgendwie in die angezeigte Richtung über eine Wiese und dann finde ich den Track schließlich. Dann erreiche ich die Fähre bei Bleckede. Es geht lange hinter einem Deich entlang und irgendwann mehr ins Landesinnere. Schon wieder ist es Abend. Das Handy ist komplett leer, der Tacho schwächest auch. Nach dem Tausch der Tachos fahre ich los und sehe einen Mann, den ich kurze Zeit zuvor schon einmal gesehen habe. Ebenso eine Brombeerhecke mit großen Blüten, einen Bahnübergang mit einem Labyrinth aus Pfosten und ein Maisfeld, wo am Rand in einem Halbkreis nichts wächst. Beim ebenfalls bekannten See mit Bagger und Sandhaufen fällt endlich der Groschen: falsche Richtung! Es dämmert und wird langsam Zeit, einen Anwohner zu fragen, ob ich eine Stunde lang meinen Tacho laden dürfte. Sämtliche Gelegenheiten lasse ich liegen und fahre immer weiter. Aber auf meinem Plan stehen noch Tankstellen, vielleicht gibt`s auch da eine Möglichkeit. Es ist inzwischen dunkel und die Besiedelung wieder weniger dicht. Es folgt ein Weg durch eine breite Schneise mit Wald links und rechts, manchmal auch direkt durch den Wald. Ich begegne einer riesigen Herde Rehe, sicher 20-30 Stück. Einige Minuten später fliegt vor mir ein Wildschwein über den Weg, eine kleine Rotte mit ausgewachsenen Wildschweinen und Frischlingen folgt. Etwa 2km später sehe ich die Rehe zusammen mit den Wildschweinen auf einer großen Wiese vor einer Ortschaft. Ich bin auf nichts angewiesen und fahre alles platt! Unabhängig von Zeit und allem anderen (nur nicht vom Strom…). Später grunzt etwas neben mir und nicht definierbare Tiere rennen vor mir Weg. So viele Wildtiere wie es hier gibt, kann es auch Jäger geben. Hoffentlich schießt keiner versehentlich auf mich. Kaum habe ich das gedacht, fällt ein Schuss gefühlt neben meinem Ohr. Zum Glück endet das Waldgebiet etwas später. Dann kommt irgendwann die Tankstelle. Sie liegt abseits vom Track und sieht sehr abstoßend aus, also fahre ich weiter. Eine Straße geht schnurgerade ewig durch einen Wald und ich versetze den Tacho in Stromsparmodus. Das Licht zeigt auch an, dass es heute nicht mehr lange hat. Vor einem Ort rennen erneut viele Rehe vor mir über den Weg. Sie wollen über einen Zaun springen und ich höre, dass viele gegen den Zaun rennen oder daran hängen bleiben. OK, hier hört der Spaß auf. Ich brauche einen Schlafplatz in der Nähe einer Ortschaft, damit nicht niemand erschießt. Ich biege nach Valluhn ab und suche im Ort. Anwohner mit Garten und Steckdose wären mir am liebsten aber niemand ist mehr draußen (es ist ca. 23 Uhr). Ich fahre durch den Ort. An jedem Grund-stück Zäune, Warnschilder, Bewegungsmelder. Sympathisch sieht anders aus. In einem Haus an einer Straße ist Licht. Ich möchte die Frau nach einer guten Übernachtungsmöglichkeit (und falls sie nett ist nach Strom) fragen. Hunde bellen sofort in der Nachbarschaft und die Frau ist extrem unfreundlich. Also zurück, wieder keine Begegnung mit Einwohnern. Ist ja die letzte Übernachtung, die muss nicht luxuriös sein. Ich liege gegenüber dem ersten Haus hinter einer Hecke in eine Wiese zwischen Erdhaufen und abgestellte Anhänger. Dass muss reichen. Der Ort: Geeignetes Atommüllendlager.

Tag 7
Valluhn - Schalsee – Priwall

Wolfi am Priwall
Ziel erreicht: Priwall, Strand.
Tageskilometer115 km
Fahrzeit7:08 Stunden
Höhenmeter376 hm
Morgendämmerung. Ich träume, dass ich friere und merke, dass ich eben nicht träume. Später verrät mir mein Tacho, dass es 2°C sind. Im T-Shirt und leichten Schlafsack sehr kalt. Arme so weit wie unbedingt nötig rausstrecken und nach der Kleidung greifen. Die ist vom Tau feucht. Armlinge, Regenjacke und -hose drüber und den ungeliebten Ort so schnell wie möglich verlassen. Es geht durch eine hohe, nasse Wiese in den Sonnenaufgang durch die Pampa. Genial! Nicht bezahlbar, nicht wiederholbar. Auf der Ebene durch Wald und über Felder und irgendwann liegt links von mir der Schalsee. Nach gut einer Stunde Fahrt erreiche ich Zarrentin. Ich biege ab, frage nach einer Tankstelle und finde eine ganz in der Nähe. Vielleicht bzw. garantiert rieche ich nicht besonders gut. Jedenfalls sagt die Verkäuferin, es gäbe in dieser Tankstelle weder innen noch außen eine Steckdose. Klar. Kasse, Kaffeemaschine und Beleuchtung hängen garantiert direkt an einer Solarzelle. Mit Kaffee und Früh-stück gehe ich raus und zum Fahrrad - und da ist eine Außensteckdose! Was für eine Freude! Ich lade das Handy ein bisschen und dann den Tacho so weit, bis es für die restlichen 100km reichen müsste. Position senden und gleich kommen Nachrichten, dass ich jetzt den Sack entspannt zumachen kann. Danach ist es wieder sehr einsam, genau das Richtige für den frühen Morgen. Es geht durch einen sumpfigen Wald mit vielen Pfützen und nicht sichtbarem Weg. Es hatte doch seine guten Seiten, gestern Nacht nicht durchgefahren zu sein. In der Dunkelheit wäre das sehr spannend geworden. Es folgen immer wieder Seen (Dutzower See, Goldensee, Mechower See, Ratzeburg See) und bei einem Blick auf den Tacho kommt große Euphorie auf: Was? Heute schon 90km? Das kam mir viel kürzer vor! Und so gut kam ich bei dem Untergrund doch nicht vorwärts. nur noch Max. 30-40km? Der nächste Wegweiser zeigt eine mit dieser Rechnung unvereinbare Entfernung und zudem Ratzeburg an. Mein Gefühl stimmte leider, dass heute schon 90km kaum stimmen können und ich komme darauf, dass ich noch gut 30km von Gestern mit auf dem Tacho habe. Also statt 30-40km doch noch 60-70km. Die nächsten Kilometer laufen entsprechend dieser Einsicht extrem zäh. Also Kleinigkeit essen und weiter. Dazu kommt sehr hohes Gras und ein kleiner Umweg um eine Weide herum. Nochmal durch den Wald mit wechselndem Untergrund (Brennnesseln und hart getrockneten Traktorspuren, dazu viele Stechmücken) und dann laut Tacho über die Straße und gleich rechts. Ich finde die Straße und fahre danach einen sandigen Trail herunter. Totaler Spaß und aufkommender Größenwahnsinn. Unten merke ich, dass ich falsch bin. Ich hätte oben rechts fahren sollen. Jetzt wird mir klar, dass ich nicht mehr zurechnungsfähig und einigermaßen müde bin. Da kommt mir Christians Erzählung vom Tag vor dem Start in Erinnerung. Jetzt ist der Energydrink fällig, den ich seit km 75 im Rucksack spazieren gefahren habe. Er schmeckt besser als erwartet und nach 20 Minuten bin ich wieder wach. Und dann wird es nochmal richtig sandig. Wer die Platte verflucht, der vermisst sie hier mit absoluter Sicherheit. Fahren wie im Tiefschnee mit entsprechendem Vorankommen. Es geht weiter um den Dassower See und durch das Gut Johannstorf mit Schloss und ehemaligen landwirtschaftlichen Gebäuden. Langsam müssen es die letzten Kilometer sein. Der Weg führt nicht gerade durch den Durch-lass in einem Gebäude, sondern hinter ei-nem anderen Gebäude durch dichte Dornenhecken am Gut vorbei. Keinen Kilometer später zeigt mein Tacho Plötzlich den Endpunkt der GST an. Wirklich? Wenn ich jetzt den Weg zum Strand hochschiebe, ist die GST vorbei. Will ich das? Ich glaube nicht und mache es trotzdem. Dann taucht das Berühmte Schild vom FKK-Strand auf. Ende der GST. 6 Tage 3 Stunden. Wahnsinn. 1320 km, 18.000 hm laut Tacho. Wäre die 6-Tage-Marke vielleicht erreichbar gewesen? Möglicher-weise, dann aber mit weniger Fehlern, die Zeit gefressen haben (an Verpflegungsmöglichkeiten vorbeifahren, Essen gehen statt Fastfood, mit kaputtem Reifen an den Start gehen und viel Zeit fürs Pumpen verwenden, Powerbank suchen und nicht kaufen statt während jeder Pause irgendwo den Tacho nachzuladen bzw. statt am Tag mal einen Anwohner zu fragen, … - andererseits: Manche Fahrt hätte wohl nach haarigen Stücken im Wald oder in Brennnesseln erst geendet oder erst später als gewünscht…). Neue Erfahrungen für nächstes Mal. Ich bin froh, dass sich mein Fahrrad so gut geschlagen hat und wir am Ende sind. Aber kapiere es noch nicht wirklich. Jetzt ein Foto, obwohl ich die Augen fast nicht aufbringe, mit der siffigen Kleidung erst mal eine Runde schwimmen und dann schlafe ich am Strand ein. Eine knappe Stunde lang bin ich komplett Weg und bekomme nichts von meiner Umgebung mit. Es geht jetzt Richtung Hotel und damit zurück in die Zivilisation. Ein wunderschönes Abenteuer mit im Gepäck.
Bildquelle
Alle Artikelbilder: Wolfgang Dieterle
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